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Die Insel der Glückseligen

Nirgendwo sind sie erwünscht, die Roma. Überall werden sie vertrieben oder ignoriert. Überall? Nein, Hinz&Kunzt hat 50 Männer und Frauen aus Rumänien aufgenommen, und das Straßenmagazin fiftyfifty im Rhein-Ruhr-Gebiet sogar 700. In Düsseldorf haben inzwischen 25 Familien eine Wohnung bekommen und eine zweite Heimat. „Ein bisschen ist das hier wie eine Insel der Glückseligen“, sagt Hubert Ostendorf von fiftyfifty. Birgit Müller (Text) und Mauricio Bustamante (Fotos) waren in Düsseldorf zu Besuch.

 

Der Wohnzimmertisch biegt sich förmlich unter den vielen Tellern: Käse, Wurst, Brot, Oliven, gebratene Eier. Nein zum Essen zu sagen, kommt gar nicht in Frage. Hubert Ostendorf hat uns hergebracht, der Mitbegründer des Straßenmagazins und Projektes fiftyfifty. Und wir sind Gäste: bei Ana und Bobi, bei Claudia, bei Remus und Monica. Sie kommen aus einem Dorf in Rumänien, sind Roma und leben seit zwei Jahren in Düsseldorf. „Wer kriminell wird, der muss doch blöd sein“, sagt Remus gerade vehement. „Leute gibt es, die hauen einem Mann auf den Kopf – für 100 Euro. Und dann? Das Geld ist schnell wieder weg, der Mann ist kaputt. Und du selbst landest im Gefängnis.“ Für den 31-Jährigen kommt das gar nicht in Frage. „Ich will mit meiner Familie zusammenleben“, sagt er. „Ich will meine Kinder aufwachsen sehen.“ Trotzdem, so leicht ist das nicht. Er hat eine Frau, drei Kinder. Seine Eltern. Arbeit hatte er nicht. In Rumänien schon gar nicht. Da konnte er sich von seiner Hände Arbeit nicht ernähren, geschweige denn, dass er dort regelmäßige Arbeit gehabt hätte. Jetzt geht es ihm gut, sehr gut sogar. Seine Familie gehört zu denen, die eine Wohnung bekommen haben. „Endlich“, so sagt Bobi, „haben wir eine richtige Arbeit.“ Denn als solche sieht der 32-Jährige den Zeitungsverkauf. „Das ist eine Einnahme, auf die wir uns verlassen können.“ Ganz anders als in Rumänien, in dem Dorf, aus dem er und die anderen, die wir kennenlernen, stammen. „Es war schrecklich“, sagt Ana. „Es gab Tage, an denen wir nichts zu essen hatten.“ Dass das geklappt hat, ist Hubert und seinem Team zu verdanken. Angefangen hat alles 2009. Hubert lernte im Park Roma kennen. „Sie übernachteten dort“, sagt er. „Und das mit Kindern! Ich fand das unerträglich.“ Natürlich wurde auch bei fiftyfifty diskutiert, ob man ihnen einen Verkaufsausweis ausstellen sollte. Roma sind – wie bei Hinz&Kunzt auch – nicht die typische Zielgruppe, fiftyfifty ist ebenfalls ein Straßenmagazin für Obdachlose. Aber die Kollegen entschlossen sich, den Roma zu helfen. Aus politischen und aus humanitären Gründen, aber vor allem, weil das Schicksal der Menschen ihnen zu Herzen ging. Denn Hubert und sein Team lernten immer mehr persönlich kennen. Da war zum Beispiel Claudia, die verzweifelt war: Ihre kleine Tochter Andra (damals neun Monate alt) war schwer herzkrank. Hubert zog einen Kinderkardiologen zurate. Dass er diesen direkten Draht hat, liegt an der Galerie: fiftyfifty ist nicht nur ein Straßenmagazin, sondern auch ein Kunsthaus: Wer Zeitungen abholt, geht vorbei an Werken von Jörg Immendorff, von Thomas Struth und Candida Höfer, einige Bilder gehen für um die 20.000 Euro über den Tresen. Die Kunden, die in Sachen Kunst ein- und ausgehen, sind Ärzte, Rechtsanwälte, Kaufleute – die Besserverdienenden der Stadt, Menschen, die nicht nur Geld haben, sondern auch ein soziales Gewissen. Der Kinderkardiologe bestätigte Claudias Befürchtungen: Das Kind hatte ein Loch in der Herzscheidewand. Ohne Operation würde das Kind garantiert sterben, mit Operation hätte es gute Überlebenschancen. Hubert war sich sicher, dass seine Spender die Operation bezahlen würden. „Wir hatten schon ähnliche Fälle“, sagt er, „das haben wir immer gewuppt.“ Andras Familie entschloss sich, der Operation zuzustimmen. Vorher sollte Andra allerdings getauft werden. „Die meisten Roma, die ich kenne, sind sehr gläubig“, sagt Hubert. „Ungetauft sollte das Kind, falls etwas passieren sollte, nicht vor Gott treten.“ Taufpate sollte Hubert werden. Es wurde ein Riesenfest: Alle legten zusammen, wie das so üblich ist.

 


Monica, die Frau von Remus, erledigte die Einkäufe und erlebte dabei wieder einmal, „dass Roma immer unter Verdacht stehen“. Eigentlich ist sie es schon gewohnt, dass sie ständig ihren Ausweis zeigen muss. „Auch wenn derselbe mich gerade erst überprüft hat“, sagt die 24-Jährige. „Im Laden soll ich ständig meine Tasche zeigen, obwohl ich nichts weggenommen habe.“ Bislang hat sie das immer hinuntergeschluckt, sich weggeduckt. Aber jetzt, als fiftyfifty-Verkäuferin, lässt sie sich nicht mehr alles gefallen. Bei dem Großeinkauf schob sie bergeweise Waren zur Kasse, legte sie aufs Förderband und bezahlte. Plötzlich sei ein Hausdetektiv gekommen, sagt sie, und habe sie bezichtigt, ein Haarband gestohlen zu haben. „Sie glauben doch nicht, dass ich hier einen Rieseneinkauf mache und dann ein Haarband für zwei Euro klaue?“, habe sie damals wütend gesagt und ihm triumphierend die Quittung unter die Nase gehalten. Seitdem habe sie beschlossen. „Ich mache meine Tasche nicht mehr auf für einen Hausdetektiv, weil er meint, mit mir könne er das machen. Ich bestehe sofort darauf, dass die Polizei geholt wird.“ Dass Monica selbstbewusster geworden ist, liegt vermutlich auch daran, dass sich ihr Leben drastisch verändert hat. Sie muss nicht mehr herumirren oder im Park schlafen, sie hat eine Arbeit und eine Wohnung. Ursprünglich wollte fiftyfifty die Familien übrigens in ganz normalen Mietshäusern unterbringen, es sollten keine Gettos entstehen. Durch das Zusammenleben sollten sich die deutschen und rumänischen Nachbarn schneller kennenlernen. Nicht immer eine gute Idee: „Die meisten Roma-Familien haben viele Kinder – und viel Besuch“, sagt Hubert nüchtern. „Das passt einfach nicht mit den Lebensformen in einem ‚normalen‘ Mietshaus zusammen.“ Jetzt leben viele Familien in einem Haus. Jede in einer Vierzimmerwohnung. Finanzieren können sich die Familien so: Die Eltern bekommen die Erlaubnis, je zehn Hefte pro Tag zu verkaufen. „Die Begrenzung auf zehn Hefte soll dazu beitragen, dass keine Hefte an andere unter der Hand weitergegeben werden“, sagt Hubert. Außerdem bekommt eine Familie von den Franziskanern Lebensmittel im Wert von etwa 100 Euro im Monat. Diese Einnahmen bescheinigt fiftyfifty gegenüber der Behörde, die Familien bekommen dazu Wohngeld. Anrecht auf Hartz IV oder eine Erstausstattung haben sie nicht. Deswegen übernimmt das Projekt die Erstausstattung: Die Möbel kommen fast alle aus dem eigenen Lager, dazu Herd und Waschmaschine – und die erste Miete. „So verschaffen wir den Familien erst mal Luft“, sagt Hubert Ostendorf. „Dann müssen sie aber selbst klarkommen.“ Weil es aber so viele Menschen aus Südosteuropa nach Düsseldorf verschlagen hat, hat fiftyfifty inzwischen eine eigene Beratungsstelle aufgemacht – „mit bescheidener Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen“. East-West heißt das Projekt mit drei Sozialarbeitern. Jeder ist willkommen, Deutsche und Nicht-Deutsche. An zwei Vormittagen in der Woche übersetzen zwei rumänische fiftyfifty-Verkäufer auf Teilzeitbasis für ihre Landsleute.

 


Richtige Herzensangelegenheit von Hubert: dass die Kinder regelmäßig in die Schule gehen und somit wirklich eine Chance auf ein besseres Leben haben. Bobi und Ana, Claudia, die meisten, die wir kennenlernen, sind selbst höchstens acht Jahre in die Schule gegangen. Die Erinnerung an diese Zeit ist oft nicht die beste. Was vielleicht daran liegt, dass es so gut wie keine Lehrer gibt, die selbst Roma sind. Und dass es auch so gut wie keine Lehrer in Rumänien gibt, die freiwillig in einem Romadorf unterrichten wollen. „Die meisten Lehrer waren dorthin zwangsversetzt worden“, sagt Hubert. Man kann sich vorstellen, wie das Verhältnis war. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Schule im Leben der Roma nicht gerade die Hauptrolle spielte. Aus ganz unterschiedlichen Gründen: dass man den Lehrern misstraute, dass man sich gedemütigt fühlte und Besseres mit seiner Zeit anzufangen wusste – oder auch aus ganz praktischen Gründen: „Die Kinder wachsen so schnell, manchmal hatte eines meiner Kinder zum Beispiel keine Schuhe mehr, da habe ich es zu Hause gelassen“, erzählt uns eine Frau. „Was sollte ich denn auch sonst tun?“ Hubert betreut die Kinder in Sachen Schule deshalb engmaschig – und die Eltern. Denn die mochten sich erst gar nicht mit dem Thema Schule auseinandersetzen, wollten nicht zum Elternabend gehen. Hubert organisierte deshalb einen Elternabend, ging selbst mit und dolmetschte. (Er hat nämlich inzwischen Rumänisch gelernt!) Für die Eltern war der Schulbesuch ein bizarres Erlebnis. Sie hatten erwartet, dass sie von den Lehrern irgendwie heruntergeputzt würden, so kannten sie das eben aus der Vergangenheit. Stattdessen erzählten ihnen die Lehrer in der Düsseldorfer Schule ganz andere Dinge: „Zum ersten Mal hörten sie wahre Wunderdinge über ihre Kinder: dass sie Fortschritte machen würden, dass sie schon gut deutsch sprächen und sich immer mehr am Unterricht beteiligten“, sagt Hubert. Ein Grund dafür: Er hat für die Kinder Mentoren organisiert. Die machen mit ihnen Hausaufgaben und üben die deutsche Sprache.


Aber natürlich ist die Welt auch in Düsseldorf nicht immer in Ordnung. Die Stammverkäuferschaft bestand vorher aus 250 Menschen, jetzt kamen mal eben 700 im ganzen Verkaufsgebiet dazu. Die meisten eingesessenen Verkäufer sind allein, ihre Familie hat sie fallen gelassen, viele sind alkoholkrank oder ansonsten gesundheitlich angeschlagen. Die Neuen dagegen sprechen zwar nicht gut deutsch, sind aber unglaublich leistungsstark und leben ganz eng mit ihrer Familie zusammen. Kein Wunder, dass sich viele von den Alteingesessenen an den Rand gedrückt fühlen und neidisch sind. Zahlenmäßig ist das Projekt jetzt an seine Grenzen gekommen: fiftyfifty nimmt derzeit keine Roma mehr auf. „Wir können diesen umfassenden Betreuungsansatz nicht mehr bewerkstelligen“, sagt Hubert. „Und auf dem Wohnungsmarkt gibt es keine Wohnungen mehr.“ Fast trotzig sagt Hubert über Claudia und Andra, Remus und Monica, Ana und Bobi: „Sie sind jetzt Düsseldorfer wie du und ich.“ Auch wenn er weiß, dass das erst wirklich im Jahr 2014 der Fall sein wird. Dann nämlich sind Rumänien und Bulgarien vollwertige Mitglieder der EU – und dann erst herrscht volle Freizügigkeit. Und nach wie vor ist der Alltag von Erlebnissen wie diesen geprägt: Huberts Patenkind Andra wurde neulich von der Polizei gestoppt, weil sie mit einem auffällig hübschen Fahrrad umherfuhr. „Die Polizei dachte, das könnte ja nur gestohlen sein“, sagt Hubert. „War es aber nicht, das hatte sie von meinem Sohn geschenkt bekommen.“ Seitdem ist der kleine Fahrrad-Fuhrpark, der vor der Tür steht, mit kleinen Schenkungsurkunden versehen – damit jeder sehen kann, woher sie kommen.

 


Apropos Andra. Nach dem großen Tauffest damals sollte sie ja operiert waren, aber die Operation fiel aus. Das Loch im Herzen war nicht mehr zu sehen – weg. „Das gibt es manchmal“, habe der Arzt erklärt. „Aber es war schon ungewöhnlich“, sagt Hubert. Für Claudia und die anderen war die spontane Heilung von Andra mehr: ein Wunder. Aber eines, das sie sich gut erklären konnten. Zwischen Paten und Patenkindern bestehe eine enge Verbindung, sagt Andras Mutter Claudia. „Die guten Energien von Hubert haben sich auf Andra übertragen. Es war Huberts Liebe, die sie gerettet hat.“

 

Aus der Tonne auf den Tisch

Kersten Reinke holt sein Essen beim Supermarkt. Aber nicht aus dem Regal, sondern nach Ladenschluss aus dem Abfallcontainer. Dass er dabei Geld spart, ist ihm nicht so wichtig – er will vor allem ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen.


Es ist kurz vor 23 Uhr, als Kersten Reinke sich auf sein Rad schwingt, um für die nächsten Tage Lebensmittel zu holen. Ein eisiger Wind jagt Wolkenfetzen über den Himmel, die Straßen irgendwo im Hamburger Osten sind nass vom Regen. Kein Mensch ist unterwegs, die Häuser sind dunkel. Aber Kersten Reinke braucht keinen geöffneten Laden, um an sein Essen zu kommen. Denn der 53-Jährige geht nicht einkaufen, er geht „containern“. Er holt weggeworfene, aber noch essbare Lebensmittel aus den Mülltonnen der großen Supermärkte. „Es hat jedes Mal ein bisschen was von Abenteuer“, sagt er, während er seine Fahrradtaschen befestigt und seinen Rucksack aufsetzt. „So Jäger und Sammler.“

220 Millionen Tonnen Lebensmittel, so schätzt die Welternährungsorganisation FAO, werden Jahr für Jahr in den Industriestaaten weggeworfen, allein 20 Millionen Tonnen in Deutschland. Eine unvorstellbare Menge. Sie entspricht etwa 130 Mal dem Gewicht des Kreuzfahrtschiffes „Queen Mary 2“. Und das meiste wird nicht einmal weggeworfen, weil es verdorben ist, sondern weil die Supermärkte wie Designerläden aussehen wollen: Blitzende Äpfel, glänzende Auberginen. Außerdem kaufen die Märkte oft zu viel ein, um stets volle Regale bieten zu können – und es kommen nur Waren ins Regal, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. Dabei sagt sogar das Bundesministerium für Verbraucherschutz, dass dieses Datum nichts mit der Essbarkeit zu tun hat … Lesen Sie weiter in der Hinz&Kunzt-Februarausgabe

 

 

Text: Hanning Voigts
Foto: Mauricio Bustamante

(aus Hinz&Kunzt 228/Februar 2012)

Es ist kalt!

Auch wenn zurzeit noch kein Obdachloser abgewiesen wird, ist die Kapazität des städtischen Winternotprogramms erschöpft. Auch Tagesaufenthaltsstellen stoßen an ihre Grenzen. Wer Tage und Nächte auf der Straße verbringt, droht zu erfrieren.

 

 

Der Sonnenschein ist trügerisch: Seit einigen Tagen herrschen eisige Temperaturen in der Stadt. Das trifft vor allem die Hamburger, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben. Bei manchmal zweistelligen Minusgraden besteht für Menschen, die die Nacht und den größten Teil des Tages draußen verbringen, Lebensgefahr – zumal sie vom Leben auf der Straße oft in schlechter körperlicher Verfassung sind.

 

 

Die Stadt Hamburg stellt mit rund 350 Plätzen im sogenannten Winternotprogramm mehr zusätzliche Betten zur Verfügung als je zuvor. 82 Plätze in Wohncontainern im ganzen Stadtgebiet sind bereits seit Anfang November belegt, auch die 40 Plätze in einem ehemaligen Altenheim in Ottensen sind längst besetzt. 230 Betten bietet die Notschlafstelle in der Spaldingstraße, die von Beginn an gut ausgelastet war, und jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.  Unterkunftsleiter Thomas Müller sagte zu Hinz&Kunzt: „Ja, es ist relativ voll bei uns.“ Es gäbe eine Fluktuation von „zehn bis 15 Personen“ am Tag. Für wen abends kein Bett mehr zur Verfügung stehe, den verweise man an die Bahnhofsmission.

Text: Beatrice Blank
Foto: Mauricio Bustamante

 

01. Februar 2012 | Hinz und Kunzt

 

 

 

U 3

 

 

Wenn die Hamburger U-Bahn U3 kurz hinter dem Rathaus aus ihrem dunklen Tunnel auftaucht, wird der Blick frei für die bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt. Auf der historischen Stahlkonstruktion fahren die Züge über Straßen und Fleete am Michel, der Speicherstadt, dem Hafen und den Landungsbrücken vorbei. Die Strecke am Hafen ist Teil der ersten Hamburger U-Bahn-Linie rund um die Alster. Vor 100 Jahren wurde der “Barmbeker Ring” eröffnet – für Hamburg-Fans die schönste U-Bahn-Strecke Europas….

 

Landungsbrücke

 

Die Ringlinie wurde zwischen 1906 und 1912 gebaut, hatte damals bereits eine Länge von 28 Kilometer Strecke und bediente 23 Haltestellen..Die Linie U3 der Hamburger U-Bahn führt als Ringlinie durch das Zentrum der Stadt. Der Fahrbetrieb findet in beiden Richtungen des Rings statt, also sowohl von Wandsbek-Gartenstadt über Barmbek und den Ring wieder nach Barmbek als auch in die Gegenrichtung.

 

 

Unzertrennlich

Fast jeder hütet ein Kleidungsstück fuers Leben – und sei es noch so abgewetzt. Mauricio Bustamante hat Menschen in ihren Lieblingsstücken fotografiert

Kunststück: Peters Zwirn mit Kellnerf liege. ,,Dieser.Anzug ist mein Heiligtum", sagt Peter. Vom Hinz&Kunzt-.Verkauf hat er Geld gespart und den Dreiteiler günstig in.einem Kaufhaus erstanden. Nur die passende Fliege gab es.da nicht. Die kaufte der 55-Jährige in einem Fachgeschäft.für Berufsbekleidung. Tanzen ist schon seit 40 Jahren Peters.gro�e Leidenschaft - bis in die zweithöchste Amateurklasse.hat er es geschafft. Auf der Stra�e habe er Genügsamkeit.gelernt, sagt er: ,,Ich kann auf vieles verzichten." Nur nicht.auf das Glück, eine Frau im Arm zu halten und mit ihr im.Slow Foxtrott übers Parkett zu schweben. Und selbst wenn.Peter gerade nicht tanzt: Sein Anzug macht überall einen.Tänzer aus ihm. (Mauricio Bustamante)

Kunststück: Peters Zwirn mit Kellnerfliege

„Dieser Anzug ist mein Heiligtum“, sagt Peter. Vom Hinz&Kunzt-
Verkauf hat er Geld gespart und den Dreiteiler günstig in
einem Kaufhaus erstanden. Nur die passende Fliege gab es
da nicht. Die kaufte der 55-Jährige in einem Fachgeschäft
für Berufsbekleidung. Tanzen ist schon seit 40 Jahren Peters
große Leidenschaft – bis in die zweithöchste Amateurklasse
hat er es geschafft. Auf der Straße habe er Genügsamkeit
gelernt, sagt er: „Ich kann auf vieles verzichten.“ Nur nicht
auf das Glück, eine Frau im Arm zu halten und mit ihr im
Slow Foxtrott übers Parkett zu schweben. Und selbst wenn
Peter gerade nicht tanzt: Sein Anzug macht überall einen
Tänzer aus ihm.

Meisterstück: Gerrits warme Lederjacke. Regenschutz,.Kopfkissen, Hundedecke - das alles ist Gerrit Keitels.Lederjacke für ihn und seine Hündin Nic. ,,Länger und.weiter hat mich nichts begleitet", sagt der 33-Jährige..,,Einen Tag nach meinem 18. Geburtstag hab ich sie secondhand.in Amsterdam gekauft. Eine echte Männerjacke - sieht.man ja. Richtig schwer ist sie auch. Wer trotzdem versucht,.sie mir abzunehmen, kriegt ein Problem mit mir." (Mauricio Bustamante)

Meisterstück: Gerrits warme Lederjacke

Regenschutz, Kopfkissen, Hundedecke – das alles ist Gerrit Keitels
Lederjacke für ihn und seine Hündin Nic. „Länger und
weiter hat mich nichts begleitet“, sagt der 33-Jährige.
„Einen Tag nach meinem 18. Geburtstag hab ich sie secondhand
in Amsterdam gekauft. Eine echte Männerjacke – sieht
man ja. Richtig schwer ist sie auch. Wer trotzdem versucht,
sie mir abzunehmen, kriegt ein Problem mit mir.“

Erinnerungsstück: Torstens Fu�balltrikot. Kopenhagen.2007. Bei der Fu�ball-WM der Wohnungslosen kassiert das.deutsche Team eine grausame Abfuhr: Das Match gegen.Brasilien verliert die Mannschaft haushoch. Stürmer Torsten.Meiners nimmt's nicht allzu schwer. Er nutzt die Minuten.nach dem Abpfiff zum Trikottausch - mit einer Frau..,,Das musst du erst mal hinkriegen", sagt Torsten. Sein.Lieblingsstück ist seitdem das blaue Shirt von Michele da.Silva, der besten Spielerin des Turniers. Für den 44-Jährigen.mehr als ein Souvenir: ,,Das Trikot ist für mich ein Symbol.für dieses Erlebnis ,Homeless World Cup'- sportlich, emotional.und ein echter Höhepunkt in meinem Leben." (Mauricio Bustamante)

Erinnerungsstück: Torstens Fußballtrikot

Kopenhagen 2007. Bei der Fußball-WM der Wohnungslosen kassiert das
deutsche Team eine grausame Abfuhr: Das Match gegen
Brasilien verliert die Mannschaft haushoch. Stürmer Torsten
Meiners nimmt’s nicht allzu schwer. Er nutzt die Minuten
nach dem Abpfiff zum Trikottausch – mit einer Frau.
„Das musst du erst mal hinkriegen“, sagt Torsten. Sein
Lieblingsstück ist seitdem das blaue Shirt von Michele da
Silva, der besten Spielerin des Turniers. Für den 44-Jährigen
mehr als ein Souvenir: „Das Trikot ist für mich ein Symbol
für dieses Erlebnis ,Homeless World Cup‘– sportlich, emotional
und ein echter Höhepunkt in meinem Leben.“

Erbstück: Peter Stapelfeldts Arbeitsweste. Eigentlich ist.die Weste ganz unscheinbar, eine Arbeitsweste eben, au�en.Leder, innen Fell. Aber für Peter Stapelfeldt ist sie mehr.als nur ein Lieblingsstück. Sie ist ein Erbstück und sein.Glücksbringer. ,,Mein Opa hat sie mir kurz vor seinem Tod.geschenkt", sagt der ehemalige bürgernahe Beamte. Seinem.Gro�vater hat die Weste sogar das Leben gerettet: Er sa�.einmal hoch oben in den Wipfeln eines Baumes, um die �ste.zu beschneiden. ,,Da verlor er plötzlich das Gleichgewicht.und fiel", sagt Peter Stapelfeldt. Aber die Weste verhakte.sich in einem Ast, und der Opa konnte sich wieder fangen..Gerettet! Das hat der Opa nie vergessen: ,,Diese Weste soll.dir immer Glück bringen", hatte der alte Mann seinem.damals 15-jährigen Enkel gewünscht. Stapelfeldt zieht die.Weste seither immer an, wenn er im Garten oder am Haus.arbeitet. Neulich wollte er auf dem Dach etwas reparieren..Da rutschte er aus: ,,Ich wär mit Sicherheit vom Dach gefallen,.aber die Weste verhakte sich in der Leiter - und ich war.gerettet." Aber irgendwie wusste er, dass die Geschichte nur.gut ausgehen konnte. ,,Ich habe das Gefühl, wenn ich diese.Weste anhabe, kann mir nichts passieren." (Mauricio Bustamante)

Erbstück: Peter Stapelfeldts Arbeitsweste

Erbstück: Peter Stapelfeldts Arbeitsweste. Eigentlich ist
die Weste ganz unscheinbar, eine Arbeitsweste eben, außen
Leder, innen Fell. Aber für Peter Stapelfeldt ist sie mehr
als nur ein Lieblingsstück. Sie ist ein Erbstück und sein
Glücksbringer. „Mein Opa hat sie mir kurz vor seinem Tod
geschenkt“, sagt der ehemalige bürgernahe Beamte. Seinem
Großvater hat die Weste sogar das Leben gerettet: Er saß
einmal hoch oben in den Wipfeln eines Baumes, um die Äste
zu beschneiden. „Da verlor er plötzlich das Gleichgewicht
und fiel“, sagt Peter Stapelfeldt. Aber die Weste verhakte
sich in einem Ast, und der Opa konnte sich wieder fangen.
Gerettet! Das hat der Opa nie vergessen: „Diese Weste soll
dir immer Glück bringen“, hatte der alte Mann seinem
damals 15-jährigen Enkel gewünscht. Stapelfeldt zieht die
Weste seither immer an, wenn er im Garten oder am Haus
arbeitet. Neulich wollte er auf dem Dach etwas reparieren.
Da rutschte er aus: „Ich wär mit Sicherheit vom Dach gefallen,
aber die Weste verhakte sich in der Leiter – und ich war
gerettet.“ Aber irgendwie wusste er, dass die Geschichte nur
gut ausgehen konnte. „Ich habe das Gefühl, wenn ich diese
Weste anhabe, kann mir nichts passieren.“

Ihr Professor hatte.Laura zum Wittgenstein-Kongress ins österreichische.Kirchberg geschickt. Hier lauschte die junge Philosophiestudentin.in den 70er-Jahren nicht nur Vorträgen, sondern.lernte auch Land und Leute kennen und lieben. ,,Die.Trachten haben mir besonders gut gefallen", sagt sie. Auf.einem Bauernmarkt stellte sie sich nach ihrem Geschmack.selbst eine zusammen. Einige Teile hat sie bis heute, das.sind ihre absoluten Lieblingsstücke. Rock und Weste trägt.die 60-Jährige, wenn sie tanzen geht: ,,Bei griechischer und.internationaler Folklore-Musik kann ich mit jungen Mädchen.immer noch mithalten."Laura zum Wittgenstein-Kongress ins österreichische.Kirchberg geschickt. Hier lauschte die junge Philosophiestudentin.in den 70er-Jahren nicht nur Vorträgen, sondern.lernte auch Land und Leute kennen und lieben. ,,Die.Trachten haben mir besonders gut gefallen", sagt sie. Auf.einem Bauernmarkt stellte sie sich nach ihrem Geschmack.selbst eine zusammen. Einige Teile hat sie bis heute, das.sind ihre absoluten Lieblingsstücke. Rock und Weste trägt.die 60-Jährige, wenn sie tanzen geht: ,,Bei griechischer und.internationaler Folklore-Musik kann ich mit jungen Mädchen.immer noch mithalten." (Mauricio Bustamante)

Schmuckstück: Lauras Tiroler Tracht

Ihr Professor hatte Laura zum Wittgenstein-Kongress ins österreichische
Kirchberg geschickt. Hier lauschte die junge Philosophiestudentin
in den 70er-Jahren nicht nur Vorträgen, sondern
lernte auch Land und Leute kennen und lieben. „Die
Trachten haben mir besonders gut gefallen“, sagt sie. Auf
einem Bauernmarkt stellte sie sich nach ihrem Geschmack
selbst eine zusammen. Einige Teile hat sie bis heute, das
sind ihre absoluten Lieblingsstücke. Rock und Weste trägt
die 60-Jährige, wenn sie tanzen geht: „Bei griechischer und
internationaler Folklore-Musik kann ich mit jungen Mädchen
immer noch mithalten.“

Strickstück: Erichs malerischer Pullunder. Kunst war für.Erich Heeder schon immer Lebensinhalt, schon als er noch.nicht obdachlos war und noch mit seiner Frau und den.beiden Töchtern zusammenlebte. ,,Kann man Kunst stricken?",.fragte er eines Tages sich und vor allem seine Frau..Die war ganz sicher: ,,Und ob das geht!" Die beiden setzten.sich zusammen und entwarfen ein Bild, das verblüffend den.Linien und Mustern ähnelt, die Erich sonst immer auf die.Leinwand bringt. Die Farben: Hellblau, Gelb und Schwarz..Der Pullunder begleitet ihn jetzt schon seit mehr als 20 Jahren..Der 56-Jährige trägt und liebt ihn, auch wenn andere.finden, dass er längst nicht mehr in diese Zeit passt. Aber.das stört Erich Heeder nicht weiter. Liebevoll dreht er sein.Lieblingsstück auf die linke Seite und streichelt die Fäden,.die dort kreuz und quer laufen. ,,Diese Kunst gerät nie aus.der Mode", sagt er dann. (Mauricio Bustamante)

Strickstück: Erichs malerischer Pullunder

Kunst war für Erich Heeder schon immer Lebensinhalt, schon als er noch
nicht obdachlos war und noch mit seiner Frau und den
beiden Töchtern zusammenlebte. „Kann man Kunst stricken?“,
fragte er eines Tages sich und vor allem seine Frau.
Die war ganz sicher: „Und ob das geht!“ Die beiden setzten
sich zusammen und entwarfen ein Bild, das verblüffend den
Linien und Mustern ähnelt, die Erich sonst immer auf die
Leinwand bringt. Die Farben: Hellblau, Gelb und Schwarz.
Der Pullunder begleitet ihn jetzt schon seit mehr als 20 Jahren.
Der 56-Jährige trägt und liebt ihn, auch wenn andere
finden, dass er längst nicht mehr in diese Zeit passt. Aber
das stört Erich Heeder nicht weiter. Liebevoll dreht er sein
Lieblingsstück auf die linke Seite und streichelt die Fäden,
die dort kreuz und quer laufen. „Diese Kunst gerät nie aus
der Mode“, sagt er dann.

Protokolle: Beatrice Blank, Birgit Müller

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