Träume aus Pappkarton

In Argentiniens Hauprstadt Buenos Aires schlagen sich Tausende Menscheb als Kartonsammler durch. Manche schaffen den Sprung un dei Kooperative Eloisa Cartonera. Die kauft die Papper – und esrtellt daraus farbenfrohe Buchdekel

Der farbenfrohe Laden mit dem bunt bemalten
Fenster wirkt einladend. Noch mehr
aber lockt der umwerfende Duft, der von den
Tellern der etwa ein Dutzend Gäste strömt, die
sich am Tisch davor mit Nudeln und Schmorfleisch
den Bauch vollschlagen. Ein „Gringo“,
wie hier in Buenos Aires, Argentinien, die Touristen
genannt werden, nähert sich dem Tisch,
teils angezogen von der Szene, die sich vor ihm
abspielt, teils wegen des Grummelns in seinem
Magen. „Ist das hier ein Restaurant?“, fragt
er hoffnungsvoll. Aber die junge Frau in dem
gelben T-Shirt, die das Essen an dem Tisch
serviert, erklärt ihm freundlich: „Nein, mein
Freund. Das ist eine Arbeiterversammlung.
Wir sind ‚Eloísa Cartonera‘ und stellen Bücher
aus Karton her.“ Der Gringo zieht weiter, und
die gelb gekleidete Frau schaut ihm hinterher.
Sie lächelt viel, in ihren Augen aber spiegeln
sich die endlosen Nächte wider, in denen sie
in den Straßen der Hafenstadt herumlief und
sich ihr Abendessen in den Mülleimern zusammensuchte.
„Los, La Osa, komm essen“, sagt Ricardo
zu ihr, und sie geht hin, denn für alle hier im
Viertel La Boca ist sie La Osa – die Bärin –,
obwohl sie vor 25 Jahren als Miriam Merlo zur
Welt kam.

Eloísa Cartonera, are a work cooperative placed in the neighborhood of La Boca in the city of Buenos Aires, Argentina. They produce handmade books with cardboard covers. They purchase this cardboard from the urban pickers ("cartoneros") who pick it from the streets. ..It all began with the crisis of 2001 - as some say "we are a product of the crisis," or that we "aestheticized misery". Actually, it was nothing like that. This is a a group of people who came together to work in a different way, to learn new things through work, to build up a cooperative, to learn how to subsist and manage ourselves, to work towards a common good. Like many of the movements and collectives born from these insane times, This people  are organized into a cooperative or a small assembly group, as there were also neighborhood and community groups, all sorts of social movements. (Mauricio Bustamante)

Mit Handkarren ziehen Tausende Kartonsammler durch Buenos Aires. Auch
La Osa (links) – die Bärin – versuchte einst, sich als cartonera durchzuschlagen
Eloisa (Mauricio Bustamante)

Nach dem Essen kehrt La Osa zusammen
mit den anderen an ihre Arbeit zurück. Sie
bemalt Buchdeckel aus Pappkarton mithilfe
von Temperafarben oder Wachsmatrizen mit
leuchtenden Farben. „Wir erstellen die Buchdeckel
einzeln, jeder ist anders. Jeder malt
das, was ihm am besten gefällt. Deswegen
sagen wir, dass hier jedes Buch einzigartig
ist“, erzählt sie. Das macht La Osa seit fünf
Jahren, seit dem Tag, an dem sie beschloss,
den Handkarren, mit dem sie die in der Nacht
gesammelten Kartons transportierte, ihrem
Mann zu überlassen und bei Eloísa Cartonera
anzufangen. Die Arbeit auf der Straße ertrug
sie einfach nicht mehr. „Eines Tages sah ich
das Lokal hier und fasste den Mut hereinzukommen
und nachzusehen, was hier vor sich
ging.“ Heute kann sie von der Arbeit bei Eloísa
Cartonera leben. Aber nicht nur das: Die Arbeit
ist für sie seither das Wichtigste in ihrem
Leben – niemals Verpflichtung, dafür immer
etwas, das ihr Freude bereitet.
Eloísa Cartonera geht zurück auf eine Idee,
die der Schriftsteller Washington Cucurto
2001 hatte, als die Wirtschaftskrise das Land
erschütterte. Zusammen mit dem Bildhauer
Javier Barilaro entwarf Cucurto illustrierte

Gedichtbände aus feinem Karton, musste dies

aber von einem Tag auf den anderen einstellen,

als die Geldentwertung den Papierpreis in
astronomische Höhen schnellen ließ. Als aber
die „cartoneros“ – die Kartonsammler – in den
Straßen der Hafenstadt zu einer festen Einrichtung
wurden, sah Cucurto eine Möglichkeit
weiterzumachen. Fortan kauften er und
Barilaro den cartoneros die Kartons ab, die
diese auf der Straße fanden, um daraus Buchdeckel
herzustellen. „Die Bücher fingen an,
den Leuten zu gefallen“, erzählt María Gómez,
Studentin und maßgebliche Teilhaberin von
Eloísa Cartonera. „Journalisten interessierten
sich für das Projekt, und so entstand die Idee,
die Kartonsammler die Bücher auch selbst
herstellen zu lassen. Die Mitarbeiter kamen
aus unterschiedlichen Stadtteilen von Buenos
Aires, und das Projekt glich zunehmend einer
Organisation, die wir später in eine Kooperative
umwandelten.“

Eloísa Cartonera, are a work cooperative placed in the neighborhood of La Boca in the city of Buenos Aires, Argentina. They produce handmade books with cardboard covers. They purchase this cardboard from the urban pickers ("cartoneros") who pick it from the streets. ..It all began with the crisis of 2001 - as some say "we are a product of the crisis," or that we "aestheticized misery". Actually, it was nothing like that. This is a a group of people who came together to work in a different way, to learn new things through work, to build up a cooperative, to learn how to subsist and manage ourselves, to work towards a common good. Like many of the movements and collectives born from these insane times, This people  are organized into a cooperative or a small assembly group, as there were also neighborhood and community groups, all sorts of social movements. (Mauricio Bustamante)

Eloísa Cartonera garantiert einigen ehemaligen Kartonsammlern
ein regelmäßiges Einkommen. Auch La Osa kann jetzt von ihrer
Arbeit leben

Eloísa Cartonera, are a work cooperative placed in the neighborhood of La Boca in the city of Buenos Aires, Argentina. They produce handmade books with cardboard covers. They purchase this cardboard from the urban pickers ("cartoneros") who pick it from the streets. ..It all began with the crisis of 2001 - as some say "we are a product of the crisis," or that we "aestheticized misery". Actually, it was nothing like that. This is a a group of people who came together to work in a different way, to learn new things through work, to build up a cooperative, to learn how to subsist and manage ourselves, to work towards a common good. Like many of the movements and collectives born from these insane times, This people  are organized into a cooperative or a small assembly group, as there were also neighborhood and community groups, all sorts of social movements. (Mauricio Bustamante)

Mitarbeiter „El Chileno“ (links) und Nachbarinnen schauen La Osa über
die Schulter, während sie mit bunten Farben einen Karton bemalt

Eloisa (Mauricio Bustamante)

Leute kamen und gingen. Und Eloísa
Cartonera wurde größer. Die Mitglieder der
Kooperative sind nicht alle cartoneros, einige
sind Schriftsteller, andere Studenten, wieder
andere lebten in dem Stadtviertel La Boca und
verliebten sich in das Projekt. Einige sind nicht
mehr dabei, andere werden kommen. Aber La
Osa bleibt entschlossen dabei. „Hier machen
alle alles“, erzählt sie voller Stolz, während
im Lokal die alte deutsche Druckerpresse der
Marke Multilit 1250 im Akkord arbeitet. „Wir
drucken die Bücher, wir binden sie, wir bemalen
die Buchdeckel und wir verkaufen sie. Jeder
kennt jeden Schritt des Produktionsprozesses.“
Während sie einen der Buchdeckel weiß färbt,
erklärt sie, wie das Unternehmen funktioniert:
Die Kooperative kauft den Kartonsammlern
eine Kiste Pappe zu 25 Centavos (knapp fünf
Cent) ab, während auf dem Markt nur 15 pro
Kiste bezahlt werden. Jedes Buch wird in einer
Auflage von 500 Stück gedruckt, und es gibt
um die 180 Titel, von lokalen und lateinamerikanischen
Autoren. „Die Autoren überlassen
uns aus Solidarität die Rechte für den Druck
ihrer Werke auf Karton“, erklärt La Osa. „Der
Verlag finanziert sich über den Verkauf der
Bücher: die Miete, der Einkauf des Materials,
und für uns bleibt auch etwas übrig.“ Die Bücher,
die gedruckt werden, werden von allen
Mitgliedern der Kooperative ausgesucht und
reichen von Werken bekannter Autoren bis
hin zu denen völlig unbekannter Schriftsteller.
„Neulich kam ein Taxifahrer mit seinem Buch
an, und wir haben uns hier mit ein paar Leuten
einige seiner Erzählungen durchgelesen“,
erzählt La Osa, „und die waren hervorragend.
Wenn es nach mir geht, werden wir es veröffentlichen
…“
Natürlich fehlt Eloísa Cartonera nicht
die Unterstützung bekannter Autoren wie
zum Beispiel Tomás Eloy Martínez, der der
Kooperative die Erzählung „Bazán“ schenkte.
Die Universidad Católica de Lima verschenkte
die Erzählung „La casa de cartón“ von Martín
Adán, an der sie die Rechte hielt. Und genauso
ging es mit mexikanischen, chilenischen und
bolivianischen Titeln. Das Ergebnis ist unvergleichlich:
Eloísa war der erste Verlag, der
ausschließlich mit recyceltem Karton arbeitet,
aber die Idee verbreitete sich rapide in anderen
Ländern Lateinamerikas, sodass es heute
in Chile, Bolivien, Brasilien, Paraguay und
Mexiko ähnliche Unternehmen gibt. María
Gomez: „Wir schauen nach vorn. Die Arbeit
gibt uns die Möglichkeit voranzukommen.
Die Leute müssen sich dessen bewusst werden:
Die Chance, etwas zu ändern, steckt in einem
selbst und darin, sich zu organisieren. Keiner
kann das alleine schaffen.“ Alberto Moreno

Eloísa Cartonera, is a cooperative placed in the neighborhood of La Boca in the city of Buenos Aires, Argentina. They produce handmade books with cardboard covers. They purchase this cardboard from the urban pickers "cartoneros" who pick it from the streets. The books are of Latin American literature, the most beautiful we had a chance to read in our lives, both as publishers as well as readers. (Mauricio Bustamante)

Eloisa (Mauricio Bustamante)
Bei Eloísa Cartonera bestehen die Buchdeckel aus Karton. Die Innenseiten
druckt eine alte deutsche Druckerpresse. Ein glücklicher Kunde schaut in
sein Exemplar
Eloísa Cartonera, are a work cooperative placed in the neighborhood of La Boca in the city of Buenos Aires, Argentina. They produce handmade books with cardboard covers. They purchase this cardboard from the urban pickers ("cartoneros") who pick it from the streets. ..It all began with the crisis of 2001 - as some say "we are a product of the crisis," or that we "aestheticized misery". Actually, it was nothing like that. This is a a group of people who came together to work in a different way, to learn new things through work, to build up a cooperative, to learn how to subsist and manage ourselves, to work towards a common good. Like many of the movements and collectives born from these insane times, This people  are organized into a cooperative or a small assembly group, as there were also neighborhood and community groups, all sorts of social movements. (Mauricio Bustamante)

CARTONEROS IN BUENOS AIRES
Nach Angaben der argentinischen Regierung
arbeiten in Buenos Aires rund 12.000 Menschen
als Kartonsammler. Die Gewerkschaft der Kartonsammler
spricht von mindestens 15.000 cartoneros.
Sie sammeln etwa 600 Tonnen Altkarton pro Tag.
Mehr Informationen zum Projekt Eloísa Cartonera:
www.eloisacartonera.com.ar
Wir danken Maureen Syring für die Übersetzung
des spanischen Originaltextes.

ich danke Maureen Syring für die Übersetzung
des spanischen Originaltextes.

Leave a Reply

Spam Protection by WP-SpamFree

UA-17793707-5